Ganz einfach: Ein Ort an dem voll ausgebildete Lehrer sitzen, den ganzen Tag nichts tun und dafür das volle Gehalt beziehen!

Rubber Room - Teacher Prison
Bild: Bearbeitet von Aufgesucht.de (Quellen: o2ma + AmyMarch) - Lizenz

Wo gibt es sowas? In New York City. Was sich wie ein Traum für den ein oder anderen anhört, ist in Wirklichkeit ein “Temporary Reassignment Center”, wie es die New Yorker Behörden nennen. Unter Lehrern hat sich längst der Begriff “Rubber Room” durchgesetzt.

New York ist mit ca. 1,1 Million Schülern und geschätzten 80.000 Lehrkräften das größte Schulsystem der Vereinigten Staaten von Amerika.

Auch Lehrer machen Fehler - manche schwerwiegend, manche nicht so

Doch was machen die Behörden, wenn mal ein Lehrer aus der Reihe tanzt? Auffällig wird? Inkompetent ist? Nicht zum Unterricht erscheint? Schüler sexuell belästigt? Während in Deutschland bei Beamten und Lehrern ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden würde, steckt man die auffällig gewordenen New Yorker Lehrer in den Rubber Room! Deswegen gibt es auch schon einen weiteren Begriff der sich gebildet hat: Das Gefängnis für Lehrer.

Und was machen diese Leute nun in dem Rubber Room?

Nichts! Sie müssen jeden Tag, normalerweise von acht Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags in diesem Raum verweilen und nichts tun, außer anwesend sein. Dafür gibt es weiterhin die volle Bezahlung. Zwar wird in vielen Fällen ein Verfahren zur Untersuchung der Vorfälle eingeleitet, aber bis dies abgeschlossen ist, können schon mal Monate, teilweise Jahre vergehen.

Auf den Seiten der Five Boroughs Productions, die zur Zeit an einer Dokumentation über den Rubber Room arbeiten, ist zu erfahren, dass es dort Lehrer gibt, die schon seit 8-10 Jahren, jeden Tag auf’s Neue, wieder in diesem Raum erscheinen müssen. Und dort nichts machen.

Welche Lehrer kommen in den Rubber Room?

Wie schon zuvor gesagt, handelt es sich überwiegend um Vergehen der Lehrer, die nicht mehr vom Direktor geduldet werden können. Allerdings ist dies natürlich auch Auslegungssache des entsprechenden Personals. So beschrieb ein Lehrer im This American Life Podcast kürzlich, dass er sich mit einem Kollegen privat unterhalten hat und dabei das Wort “F u c k” verwendete. Was er jedoch nicht gesehen hatte war, dass die Tür zum Klassenzimmer aufstand und so einige Schüler diesen Ausdruck hören konnten.

Erst mal ist es wichtig zu wissen, dass das Wort “Fuck” in den Staaten und auch in vielen anderen englischsprachigen Ländern, in einer solchen Frequenz von Jugendlichen und Erwachsenen verwendet wird, dass kaum noch die Assoziation mit dem eigentlichen Sinn des Wortes aufgebaut wird.
So gehören Sätze wie “This is fucking amazing!”, “Who the fuck are you?”, “Who gives a fuck?” oder “He’s just fucking with your mind” in vielen Kreisen schon zum normalen Sprachgebrauch und das Wort wird dort auch sehr, sehr häufig als Fluchwort verwendet. Wie zum Beispiel in Deutschand: “Verdammt” oder “Mist”.

Auf jeden Fall, wurde der oben erwähnte Lehrer ins Temporary Assignment Center versetzt und machte dort - über Monate - nichts anderes außer lesen oder sich langweilen.

Also im Rubber Room sitzen neben den Lehrern, die eine fristlose Kündigung wirklich verdient hätten, auch Personen, die nur ein mal unvorsichtig waren oder die von Schülern in diese Situation gedrängt wurden. Drohungen von Schülern wie “halt’s Maul oder ich sag, dass du mich angefasst hast” seien auch schon vorgekommen.

Wie ist die Atmosphäre im Rubber Room?

Laut den Aussagen des American Life Podcasts und der Five Boroughs Productions sehr feindlich! Jeder Stuhl, auch wenn er frei ist, würde von bereits Anwesenden wie ihr Eigentum verteidigt. Es gibt Schlägereien unter Lehrern. Die Räume sind total überfüllt. Lehrer reden gerne… der Lautstärkepegel wird unerträglich.
Andere ziehen sich total zurück. Sprechen mit keinem. Lesen, hören Musik, malen, schauen Filme auf mobilen Playern weil es kein Strom gibt.
Manche schaffen es sogar nebenbei noch ein kleines Unternehmen zu führen.

Doch der Großteil hasst die Ungewissheit. Wann passiert etwas? Kündigung? Wiedereinstellung?

Man geht momentan von 600-900 Lehrern aus, die in solchen überfüllten Räumen sitzen.

Die Kosten für das Gehalt, den Verfahren und dem Rubber Room an sich belaufen sich schätzungsweise auf 25-40 Million USD jährlich. Geld für unglückliche Menschen, die den ganzen Tag nichts anderes tun als abzuwarten, bis ihre Anwesenheitspflicht beendet ist.

Anscheinend steht es um das Schulsystem in New York nicht wirklich gut. Über 40% aller Lehrer, geben schon nach dem vierten Jahr der Einstellung freiwillig auf! Andere gehen in den Rubber Room. Im Falle einer Wiedereinstellung, nach der langen Zeit ohne wirkliche Beschäftigung, wird der Lehrer von seinen Vorgesetzten und Kollegen oft als vorbelastet angesehen und hat Probleme seinen Ruf wiederherzustellen. Auch wenn im Nachhinein die Unschuld festgestellt wurde.

Über lange Zeit war das Problem vollkommen unbekannt. Viele Lehrer hatten keine Ahnung über die Existenz des Rubber Rooms. Doch mittlerweile nehmen sich auch die größeren Medien, wie die New York Times, des Themas an und hinterfragen den Sinn der Maßnahme, die das New York Department of Education weiter verfolgt.

Bleibt abzuwarten, wie lange noch gelangweilte Lehrer, schuldig oder unschuldig, in diesen Räumen verweilen müssen. Eins ist sicher: Ganz gleich, mit welchem Ergebnis die Lehrer irgendwann aus dem Rubber Room entlassen werden. Gekündigt oder mit Wiedereinstellung: Bessere Lehrer gehen daraus nicht hervor.

 
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2 Antworten zu “Was ist der Rubber Room?”
  1. Frank sagt:

    Ich denke, dass die Pflicht nichts zu tun auf unbestimmte Dauer und mit ungewissen Ausgang, eine sehr harte Strafe sein kann. Erst ist man noch zufrieden, volles Gehalt, Zeit für sich etc. Aber nach einer Weile wird man sich sicher überflüssig vorkommen und sich evtl wünschen, einfach gekündigt zu werden, um nicht mehr in diesen “Knast” zu müssen. Einige gehen nach 1-2 Jahren in diese Institution sicher direkt weiter in die richtige “Gummizelle” ;)

    Die Maßnahme an sich ist meiner Ansicht nach -selbst wenn man das Gehalt der “Insassen” auf ein drittel beschränkte- Geldverschwendung, da eben wirklich (meine ich) keine Besserung daraus hervorgehen kann. Wobei die Methode den Zweck der Strafe voll und ganz erfüllt.

  2. Markus sagt:

    Hi Frank! Du hier :D Freut mich! Danke für den Kommentar.

    Finde die ganze Sache ja auch ein bisschen lächerlich ;) Ich glaub mit dem Geld was dafür drauf geht, könnte man den Lehrern ganz anders helfen. Einige davon (sexuelle Belästigung etc.) sollte man auch direkt feuern anstatt die da in dem Raum sitzen zu lassen ;)

    Besten Gruß

    Markus

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