Ist es vielleicht jemandem schon mal passiert? Kosten für Datenverbindungen auf der Mobilfunkrechnung, die sich einfach nicht erklären lassen?

Da ich mich schon über einen längeren Zeitraum über Möglichkeiten der mobilen Datennutzung informiere, kenne ich mich zur Zeit relativ gut mit den verschiedenen Datenverbindungtypen aus und kann nur sagen, dass - zumindest beim Mobilfunkprovider o2 - die Komplexität der Abrechnungmodalitäten an eine Unverschämtheit sonder gleichen grenzt.

Über dem Limit: Es wird teuer!

o2 deutschland kosten datenverbindung

Nehmen wir zum Beispiel das o2 Communication Center Pack, welches es ermöglicht beliebig viele E-Mails via MMS zu empfangen und auch über den internen Handy E-Mail Client via IMAP oder POP3 Nachrichten zu senden und empfangen. Über die praktischen Anwendunsgsmöglichkeiten, die dieses Zusatzpaket ermöglicht, habe ich auch hier schon etwas geschrieben. 30MB Datenvolumen für E-Mails beinhaltet das Communication Center Pack monatlich.

Folge-MB: 9,27 €/MB (Quelle: http://www.o2online.de/nw/active/email/comcenter/index.html)

Obwohl ich zu o2’s Entlastung auch eingestehen muss, dass auch andere Mobilfunkanbieter bei der Datenübertragung diesen Preis berechnen, finde ich es doch eine Unverschämtheit, dass man bei der Überschreitung eines Datenvolumens von 30MB, welches 5 Euro im Monat kostet, für die Überschreitung um das selbe Kontingent im gleichen Monat 278,1€ zahlen müsste.

Eine mp3 zuviel: Das macht dann 37,08€, bitte.

So würde beispielsweise eine, über dem Limit empfangene mp3 Datei, mit dieser Verbindung mit satten 37,08€ auf der nächsten Rechnung erscheinen. Nicht auszudenken, welche Kosten bei einer extremen Datennutzung anfallen würden.

Mindestens 4 verschiedene Verbindungstypen und diverse Zusatzoptionen: Da blickt sogar so mancher o2 Mitarbeiter nicht mehr durch!

Mein Vertag bei o2 ist auf zeitbasierte Datenabrechnung eingestellt. Das bedeutet ich müsste 9 Cent pro Minute bezahlen, wenn ich surfe.

o2 Internet Packs - Zeitbasierte Abrechnung - Standardabrechnung Time

Doch nun habe ich auch noch das Communication-Center Pack abonniert, mit dem ich - wie oben schon erwähnt - meine E-Mails auch als MMS zugestellt bekomme und auch monatlich 30MB Datenvolumen nutzen kann. IN DIESEM SPEZIELLEN FALL greift die Standardabrechnung-Time des Internet Packs nicht! Dies wird aber, meines Wissens, nicht mit einem Satz auf der o2 Seite erwähnt!

Meine Erfahrungen mit dem o2 Kundendienst

Nachweislich habe ich drei mal bei der Hotline angerufen. Direkt nacheinander:

Anruf 1

Fazit des Call-Center-Agents: Die Mitarbeiterin erklärte mir, dass - sobald das Volumen von 30MB überschritten wird - die zeitbasierte Abrechnung greift.

Nach meiner Frage, ab wann die Zeitbasierte Abrechnung greift, antwortete mir die Mitarbeiterin wortwörtlich:
“Also sobald die 30MB da vom Communication Center Pack aufgebraucht sind”

Am Ende des Telefonats fragte ich erneut, wie es denn aussieht, wenn ich diesen Monat die 30MB überschreite. Dann wird also zeitbasiert abgerechnet? Wieder wortwörtlich:
“Wird zeitbasiert abgerechnet. Genau”

Mein Fazit: Glaub ich nicht. Kompetenz fragwürdig. Nochmal anrufen.

Anruf 2

Fazit des Call-Center-Agents: Die Mitarbeiterin erklärte mir, dass diese Kombination eigentlich gar nicht möglich sei. Könne mir aber auch keine weiteren Informationen nennen.
Mein Fazit: Zu wenig Informationen. Nochmal anrufen.

Anruf 3

Endlich hatte ich eine freundliche, kompetente Mitarbeiterin (Ingrid) gefunden. Nach einer Rückfrage bei den o2 Datenspezialisten, konnte sie mir bestätigen, dass die Standardabrechnung-Time nicht greift, wenn das o2 Communication Center Pack abonniert ist.

Wenn ich also den Informationen der ersten Call-Center-Mitarbeiterin glauben geschenkt hätte, wäre ich in die Kostenfalle getappt!

Nachdem das Kontingent aufgebraucht ist, werden also 9,27€ pro MB berechnet, anstatt den, im Online-Vertrags-System angezeigten 0,09€ pro Minute.
Nur der Aufruf der Spiegel.de Startseite würde mich also so um die 9 Euro kosten. Da kann eine Fehlberatung teuer werden. Und nur die wenigsten können dies im Nachhinein beweisen.

Selbst bei Inklusiv-Datentarifen: Eine falsche Verbindung kann horrende kosten verursachen

Natürlich gibt es auch bei o2 Datentarife, bei denen z.B. momentan (Stand 29. Februar 2008) 5000MB mobile Datennutzung für 25 Euro gebucht werden können. Doch auch hier gilt

Bitte beachten Sie, dass Sie für die günstigen Surf Konditionen den Netzzugang über den Zugangspunkt (APN) surfo2 eingestellt haben müssen, ansonsten erfolgt eine volumenbasierte Abrechnung mit 9,27 €/MB zzgl. 0,09 € Tagesnutzungsgebühr.792

(Quelle: http://www.o2online.de/goto/csc/internet-packs)

Also nur um das - noch einmal - preislich zu veranschaulichen:

Wählt man - aus Versehen - die falsche Verbindung, z.B. “o2 Internet” anstatt “surfo2″ kosten die 5000MB Inklusiv-Volumen nicht mehr 25 Euro, sondern 46350,09€ (!) bei voller Ausnutzung der 5GB.

Das geht auch einfacher!

Da liegt schon fast die Vermutung nahe, dass seitens o2 absichtlich solch ein undurchsichtiges Verbindungsmodell gewählt wurde, um Kunden, die vielleicht nicht so Mobilfunk affin sind wie ich, in die Preisfalle zu locken.

Abgesehen davon, ganz unabhängig von o2, frage ich mich warum da gesetzlich nicht was gemacht werden kann. 9,27€ pro MB sind im heutigen Kommunikations-Zeitalter, meiner Ansicht nach, klarer Wucher und durch nichts zu erklären.
Selbst o2 bietet seinen Kunden das o2 MTV Music Pack an, mit welchem für 5 Euro beliebig lange MTV Music-Clips gesehen werden können. Dies verursacht schon ca. 1MB Datenvolumen pro Minute und man fragt sich, warum der Megabyte für abweichende Nutzung knapp 10 Euro kosten soll.

Mit all den tollen Möglichkeiten, welche die mobile Datennutzung heute schon mit sich bringt, finde ich es sehr, sehr schade, dass Mobilfunkunternehmen wie o2, durch einen solch undurchsichtigen Tarifdschungel, die Freude, die Kunden mit der Nutzung dieser Dienste haben könnten, so massiv behindert.

 
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5 Antworten zu “o2 Germany: Mobile Datenverbindungen undurchsichtig! Wer blickt da noch durch? 46350,09 Euro für 5GB bei Wahl der falschen Verbindung”
  1. o2 - can go - tobes blog meint:

    […] geht. Blogger-Kollege Markus ist aus seinem Kurzwinterschlaf erwacht und schreibt über die unverschämte Komplexität seines o2-Vertrags, von dem man glatt meinen könnte, er sei gezielt darauf ausgelegt, dem unachtsamen Kunden das […]

  2. Peter meint:

    Ich finde es nicht nur sehr schade, sondern eine bodenlose Frechheit, wenn man in so eine gestellte Tariffalle tappt. Manche Frechheiten sind nicht mehr so einfach hinzunehmen: ich habe mir angewöhnt, diverse Angelegenheiten nicht per Gericht, sondern per Keule zu klären. Man glaubt gar nicht, wie einsichtig und reumütig diese Herrschaften auf einmal werden.

  3. Markus meint:

    Ja, das ist natürlich auch eine Möglichkeit. Besonders beim Call Center hilft die freundliche, geduldige Art meistens nicht mehr. Was ich überhaupt nicht gut finde. Wenn man schon unfreundlich werden muss um die gewünschten Informationen zu erreichen, macht die Leitung des Call-Center Teams schon irgendwas falsch.

    Vielen Dank für deine Meinung Peter.

  4. Anonym meint:

    Wer heutzutage noch bei den normalen Anbietern wie O2, Eplus, Vodafone, usw. ist, ist meiner Meinung nach selbst Schuld. Bis auf wenige Ausnahmen (wie z.B. einige Studententarife) sind die Kosten immer teurer wie bei den Billiganbietern simyo, klarmobil, congstar, usw. - auch wenn man einen Vertrag mit 1 Euro Handy und FreeSMS hat. Ich habe das letztes Jahr bei Vodafone für jemanden durchgerechnet. Es gab für das gewünschte Handy und die gewünschten Optionen (min. 50 FreeSMS) nur einen Tarif, der billiger wie simyo war - allerdings nur, wenn man die Grenzen nicht überschreitet (also z.B. maximal 50 SMS versendet). Überschreitet man die Grenzen, waren alle Tarife deutlich teurer wie simyo. Und das, obwohl ich beim simyo-Tarif die einmaligen Kosten für den Handykauf mit eingerechnet hatte!
    Und wer bei den normalen Anbietern noch Prepaidkarten nutzt, muss einen Goldesel daheim haben. Die Billiganbieter sind über die Hälfte günstiger wie die normalen Prepaidtarife der großen Anbieter.
    Ich finde es auch eine Frechheit, was die großen Anbieter sich da teilweise leisten. Aber die Leute sind meiner Meinung nach _teilweise_ selbst Schuld, wenn sie so hohe Handykosten haben - wie gesagt, es gibt Alternativen.

    Bei simyo kostet 1MB übrigens immer 24 Cent. An die 5GB-Flatrate kommt das zwar nicht ran, aber beim 30MB-Tarif kann simyo auf jeden Fall mithalten, v.a. wenn man ausversehen mal ein paar MB mehr braucht.
    Und wer nicht ständig aufladen will: Die Billiganbieter bieten lauter verschiedene Aufladearten an, z.B. monatliche Aufladung (automatisch), Aufladung per SMS, Aufladung bei bestimmtem Betrag (automatisch), Überweisung (manuell), Aufladecode bei Tankstelle kaufen (manuell), …

    Gruß, St evie

    PS: Deine Berichte gefallen mir! Das sind keine oberflächlichen, abgeschriebenen Beiträge wie bei vielen anderen :-)

  5. Markus meint:

    Hi Stevie! Vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Kommentar und das Lob! Hat mich sehr gefreut! Du hast natürlich recht, in vielen Bereichen sind die Discount-Prepaidkarten ganz klar die Sieger! 24 Cent pro MB ist schon ein super Preis wenn der Datenhunger nicht ganz so riesig ist. Die normalen Handyanwendungen bzw. WAP Seiten verbrauchen normalerweise ja auch nur sehr geringen Traffic.

    Schwer wird es meiner Meinung nach im Prepaidbereich nur, wenn man mobil mit dem Laptop surfen will oder mobile Anwendungen wie Google Maps oder live Videostreaming verwendet. Aber vielleicht kommt in dem Bereich ja bald auch noch was!

    Und für einige wird sicherlich bei der Vertragsentscheidung noch das subventionierte Handy eine Rolle spielen, obwohl man die Differenz dann in der zweijährigen Vertragslaufzeit sowieo bezahlen muss.

    Bin sehr gespannt wie sich der Mobilfunkmarkt in Zukunft entwickelt.

Schreib hier doch auch etwas hin