Was wurde bisher gemacht, wenn ein Verwandter oder eine nah stehende Person verstorben ist? Persönliche Gegenstände begutachtet? Oder vielleicht alte Fotos angesehen und vergilbte Dokumente betrachtet?

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Das Leben im digitalen Zeitalter

Nun leben wir aber längst im digitalen Zeitalter, in denen viele Aktivitäten vor dem Rechner stattfinden. Im Unternehmen oder am heimischen PC: Jede online Aktivität hinterlässt digitale Spuren.
E-Mails, Einträge in Foren und Blogs, Online Spiele oder auch die Chats mit anderen Personen. Alles lässt sich im Normalfall digital nachvollziehen.

Manche Menschen verbringen einen sehr großen Anteil ihres Lebens im Internet und bauen auch dort Freundschaften auf. Per Webcam oder Headset lassen sich auch über große Distanzen zwischenmenschliche Beziehungen aufrecht erhalten.

Doch was passiert nach dem Tod?

E-Mails

Es wird ständig gewarnt: Sichert eure Daten! Die Angst vor einem Festplattencrash oder die begrenzte Haltbarkeit von CDs und DVDs lassen viele Menschen regelmäßig Backups ihrer Daten anfertigen. An anderer Stelle, wie zum Beispiel bei Google Mail, können sämtliche E-Mails im Normalfall ein Leben lang gespeichert werden. Ermöglicht durch einen Speicher, der ständig ansteigt.

Soziale Netzwerke

Ob Facebook, StudiVZ oder XING. Alle Daten bleiben für gewöhnlich erst mal erhalten. Die privaten Nachrichten natürlich eingeschlossen. Sollte das Passwort des verstorbenen den Angehörigen bekannt sein, können sie auch so jegliche Kommunikation über dieses Medium nachvollziehen, ausdrucken, als PDF Dokument speichern, auch davon Sicherheitskopien erstellen.

Berühmtheit nach dem Tod? Da könnten die falschen Reichtum erlangen!

Doch was passiert, wenn die Person post mortem Berühmtheit erlangt? So wie es schon bei vielen kreativen Menschen wie Künstlern und Dichtern geschah? Inhalte die auf die Blog gestellt wurden, wie zum Beispiel Zeichnungen, Comics oder Texte können auf ein mal sehr begeht sein! Durch geschaltete Werbung könnte diese sogar noch zu immensen Einnahmen nach dem Tod führen!
Aber wer bekommt dieses Geld? Wenn es sich, wie zum Beispiel bei MySpace um eine fremd gehostete Seite handelt, werden die Werbeeinnahmen den Betreibern der Seite zukommen. So wie es auch schon zu Lebzeiten der Person war. Sollte es sich aber um eine eigene Domain mit eigenem Webspace handeln, müsste geklärt werden, wer die laufenden Einnahmen erhält. Sollte dies nicht testamentarisch festgehalten worden sein, wird dafür sicherlich ein Rechtsanwalt angestrengt werden müssen.

Doch es geht auch noch schlimmer: In Japan hat der Dienst Mixi, der es auch ermöglicht eigene Blogs zu führen angekündigt durch Änderungen der AGB sich alle Inhalte auch rückwirkend zum Eigentum zu machen! Das würde bedeuten SÄMTLICHE INHALTE würden, bei der Bestätigung der neuen AGB, dem web 2.0 Dienst gehören und somit auch der Gewinn der nach dem Tod damit erzielt werden kann!

Deswegen sollte man sich schon zu Lebzeiten überlegen, wo man kreative, zeitintensive Projekte im Web ablegt.

Auch die Daten auf dem PC können für die Ewigkeit konserviert werden

Neben den E-Mails können natürlich auch noch sämtliche Daten auf dem Rechner von nahestehenden Personen gesichert werden. Außer der Benutzer hat die Daten stark verschlüsselt und das Passwort ist nicht bekannt. Dann besteht im Regelfall keine Möglichkeit die Daten wieder herzustellen.

In Zukunft: Schon fast zu viele Daten!

Während heute noch mit Kirchenämtern und Behörden gesprochen werden muss um nur einen Namen oder ein Geburtsdatum des verstorbenen Angehörigen zu bekommen, wird es in vielen Fällen einen Überfluss an Daten geben! In manchen Fällen kann sogar auf einer täglichen Ebene nachvollzogen werden, was die Person gerade gemacht hat. Ein Dienst wie archive.org speichert nahezu jede Seite, die heute im Internet existiert! Auftritte wie Twitter, Pownce und Jaiku motivieren dazu mehrmals täglich Tätigkeiten und Gedanken festzuhalten und mit der Online-Community zu teilen.
Die Social Networking Seite Twitter bietet sogar die Möglichkeit mobil per SMS oder Webbrowser 140 Zeichen lange Nachrichten zu verfassen. Extremfälle | aktualisieren | schon | fast | stündlich ihren “Status” und hinterlassen dabei ihre Spuren im Netz.

Unsere Nachkommen werden also einen viel größeren Pool an Informationen haben und Ereignisse im Leben ihrer Vorfahren viel besser nachvollziehen können! Wenn kein Meteor die Erde trifft und der dritte Weltkrieg nicht ausbricht, wird vielleicht die Recherche für die Geschichtshausaufgaben im Jahr 4008 ganz anders aussehen als heute und anstatt dem Verweis auf einen Text als Originalquelle wird vielleicht schon bald auf eine Podcastfolge der Bundeskanzlerin oder eine Blog-Adresse verwiesen.

 
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